Jens Koschel

Heute: Jens Koschel, Mitte 40, verheiratet, zwei Kinder, wohnt am Wieter.

Wann und Wie bist Du zur Feuerwehr gekommen und warum engagierst Du Dich?

Durch meinen Bruder bin ich vor 30 Jahren zu Feuerwehr gekommen. Er wurde damals nach einem Jugendfeuerwehrdienst mit einem Löschfahrzeug zuhause abgesetzt. Die Nachbarskinder haben ganz neidisch geschaut… Das wollte ich auch! So bin ich zur Feuerwehr gekommen und seitdem bin ich dabei. Wir sind eine großartige Gemeinschaft, in der man sich auf jeden Einzelnen verlassen kann. Das schätze ich. Ich finde es auch spannen, dass in der Feuerwehr so viele verschiedene Charaktere zusammenkommen und dann so leistungsstark zusammenarbeiten, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Jeder bringt in das Team seine persönlichen Stärken ein und positioniert sich entsprechend. Es macht einfach Freude dabei zu sein.
Wichtig ist mir auch, dass die Feuerwehr für die Familie offen ist. Hier in Northeim ist das der Fall. Oft unternehmen wir gemeinsam mit den Freunden, Ehepartnern und Kindern etwas. Das stärkt die Gemeinschaft und letztlich auch den Rückhalt in der Familie für das Ehrenamt.
Durch mein Engagement bei der Feuerwehr versuche ich auch ein Vorbild für meine Kinder zu sein. Es ist wichtig zu vermitteln, dass jeder, der etwas für die Gesellschaft geben kann, das auch tut.

Wovor fürchtest Du Dich? Vor welchen Einsätzen hast Du Respekt?

Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten sind nicht einfach. Aber wir können uns immer auf unsere Gemeinschaft verlassen. Wenn es zu viel wird, kann man jederzeit an einen Kameraden abgeben. Klingt abgedroschen, ist aber wahr: Im Team sind wir stark!

Hast Du schonmal daran gedacht aufzuhören?

Ja. Es gab mal eine Zeit, da war das Unverständnis im Freundeskreis für mein Hobby so groß, dass ich Zweifel bekommen habe, ob ich mich weiter so stark engagieren sollte. Ich bin aber dabeigeblieben, wie man sieht.

Gibt es einen Einsatz, der Dich besonders geprägt hat?

Das ist schon lange her: Vor 20 Jahren gab es einen Gebäudebrand in der Mauerstraße. Ich war damals auf der Drehleiter eingesetzt. Durch die engen Platzverhältnisse dort, war es sehr schwer die Leiter korrekt zu positionieren. Glücklicherweise haben wir das Fahrzeug direkt bei Ankunft auf den Zentimeter genau abgestellt. Etwas weiter links oder recht und es hätte nicht gepasst. Beim Hochfahren mussten wir durch dicke Rauchschwaden hindurchtauchen. Man konnte nichts sehen. Oben angekommen konnte ich zwei Personen in den Korb übernehmen. Gerade noch in letzter Sekunde. Daran denke ich oft zurück. Manchmal hat man einfach Glück und es passt alles. In diesem Fall wären die Folgen fatal gewesen, wenn wir nicht so ein glückliches Händchen gehabt hätten.
Auch das Feuer in der Stadthalle war etwas Besonderes: Damals war ich noch in der Jugendfeuerwehr, bin aber auf dem Schulweg an der Einsatzstelle vorbeigelaufen. Das mich alle dort arbeitenden Feuerwehrleute mit Namen gegrüßt haben, hat mich stolz gemacht. Da war ich der „King“ unter den Klassenkameraden (lacht).

Wie denkt Dein Umfeld über Dein Engagement?

Wie gesagt: im Freundeskreis bin ich früher auf viel Unverständnis gestoßen. Das ist heute nicht mehr so stark der Fall. Wichtig ist mir, dass meine Familie hinter mir steht. Insbesondere meine Frau findet es toll, dass ich mich in der Feuerwehr einbringe. Und eigentlich kommt es mir nur darauf an.

Was würdest Du Dir wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass ganz allgemein bei den Arbeitgebern mehr Unterstützung für das Ehrenamt vorhanden wäre. Es gibt immer wieder Fälle, in denen Kameraden die Ausübung des Ehrenamtes während der Arbeitszeit generell untersagt wird. In meinen Augen ist das zu kurz gedacht: Insbesondere eine leistungsstarke Feuerwehr ist für die gesamte Gesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes „überlebenswichtig“. Wenn wir nicht kommen, kommt keiner. Das gilt auch für brennende oder überschwemmte Gewerbebetriebe.

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